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Monatsspruch November 2010

Gott spricht Recht im Streit der Völker, er weist viele Nationen zurecht. Dann schmieden sie Pflugscharen aus ihren Schwertern und Winzermesser aus ihren Lanzen. (Jes. 2,4)

Könnt Ihr (Älteren) euch noch erinnern? 1980 und die Jahre danach trugen viele von uns den Aufnäher "Schwerter zu Pflugscharen".
Im Herbst 1980 wählte die Jugendarbeit in der DDR Schwerter zu Pflugscharenfür die gerade entstandene Friedens-Dekade als erstes Symbol dafür eine Bronze-Skulptur des russischen Bildhauers Jewgeni Wutschetitsch (1908-1974), die die Sowjetunion 1959 der UNO geschenkt hat. Sie zeigt einen Mann, der ein Schwert zu einem Pflug schmiedet, und trägt den Titel "WE SHALL BEAT OUR SWORDS INTO PLOWSHARES" (WIR WERDEN UNSERE SCHWERTER ZU PFLUGSCHAREN SCHLAGEN) und steht im Garten des UNO-Hauptgebäudes in New York. Schnell wurde dieser Aufnäher von vielen Leuten getragen.
Ich war damals Theologiestudent und weiß noch, dass in den Schulen - und erst recht auf den Universitäten - befohlen wurde, den Aufnäher abzutrennen. Unser damaliger Direktor weigerte sich zwar unter der Gefahr seiner Amtsenthebung das von uns Theologen zu verlangen, doch in seiner Abwesenheit setzte es sein Stellvertreter durch. Viele schnitten stattdessen den runden Aufnäher heraus. Sie trugen das Loch in der Jacke von nun an als Bekenntnis.
„Der HERR wird zurechtweisen viele Völker. Da werden sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln machen.“
Pflugscharen sind wichtiger als Waffen. Den Boden zu bearbeiten, damit Nahrungsmittel wachsen und Menschen leben können, ist wichtiger, als Länder mit Waffengewalt zu bezwingen und zu beherrschen.
Doch was nützt ein noch so aussagekräftiges Symbol, wenn seine Botschaft nicht beachtet wird? Wenn nicht auf den gehört wird, der der eigentliche Absender dieser wichtigen Nachricht ist. Der Prophet sagt, von wem diese Botschaft stammt: von Gott höchstpersönlich!

Viele Menschen und Organisationen haben immer wieder neue Programme entwickelt, mit deren Hilfe Frieden geschaffen werden sollte. „Frieden schaffen ohne Waffen“ war ein eingängiges Motto. Pflugscharen statt Schwerter - das könnte zum Frieden in der Welt helfen. Könnte. Ihr und ich kennt die Geschichte der jüngeren Vergangenheit und der Gegenwart. Die Schwerter und Spieße werden in Konflikten zwischen Völkern und Volksgruppen weiter fleißig genutzt. Sie heißen heute nur anders: Interkontinentalraketen mit Atom-Sprengköpfen, Splitterbomben, Jagdbomber, Schnellfeuerwaffen ...Und Jesus wies darauf hin, dass es so bleiben wird (siehe Mt. 24,6.7). Damit ist kein Frieden zu schaffen.
Doch es gibt eine Friedenssehnsucht unter den Menschen - die Sehnsucht nach dem Paradies. Das hat Gott seinen Kindern verheißen. Auf der neuen Erde ist es nicht mehr nötig die Tore des neuen Jerusalem aus Angst vor Feinden zu verschließen (siehe Offb. 21,25). Keine Feindschaft entzweit die Völker mehr. Jeder lebt dort in friedfertiger Gesinnung. Wer sie nicht besitzt, wird gar nicht erst auf die neue Erde kommen (siehe V. 27)!
Deshalb ist es nötig, uns in diesem Leben eine friedfertige Gesinnung anzueignen und sie täglich zu leben.
Doch noch so kluge und gut gemeinte Programme reichen nicht aus, wenn die Haltung und die Herzen der Menschen nicht geändert werden. Das ist den Propheten Jesaja und Micha klar. Sie sind der Überzeugung: Wenn Menschen sich vom Herrn zurechtweisen lassen, dann hat das zur Folge, das sie ihre Schwerter zu Pflugscharen und ihre Spieße zu Sicheln umschmieden. Veränderte Herzen sind Voraussetzung für verändertes Handeln.
Das gilt nicht nur für das Zusammenleben der Völker. Das gilt genau so im persönlichen Bereich einzelner Menschen. Auch da tut oft Abrüstung Not. David klagt in Psalm 57 Vers 5: „Verzehrende Flammen sind die Menschen, ihre Zähne sind Spieße und Pfeile und ihre Zungen scharfe Schwerter.“
„Der hat aber eine scharfe Zunge“, sagen wir manchmal, wenn jemand mit scharfen, spitzen Worten auf sein Gegenüber einredet.
„Die hat aber eine verletzende Art, wenn sie mit anderen spricht.“ Und manchmal bin ich schon über mich selbst erschrocken, wenn ich im Gespräch einen andern mit einem unbarmherzig scharfen Wort verletzt habe. Ja, manchmal können unsere Zungen wie scharfe Schwerter sein … Der Herr weist uns daraufhin, dass es auch anders geht. Weil er anders mit uns redet.Aufnäher Schwerter zu Pflugscharen „Schmecket und sehet wie freundlich der Herr ist“, lädt uns Psalm 34,9 ein. Weil der Herr freundlich zu den Seinen ist, können wir das auch untereinander. „Seid untereinander herzlich und freundlich“, ermuntert uns Paulus in Epheser 4. So miteinander zu reden und umzugehen fördert ein friedliches Miteinander, baut Grenzen ab, beendet Feindschaften. An der Seite des Herrn können wir das erproben. Jeden Tag neu.
Jesus beschreibt das Wesen derjenigen, die Bürger des Reiches Gottes sind in der Bergpredigt: "Freuen dürfen sich alle, die Frieden stiften - Gott wird sie als seine Söhne und Töchter annehmen."
(Mt 5,9).

Herzlich grüßt Euch
Euer Pfarrer Bernhard Fuß
im Namen aller Kirchvorsteher und Mitarbeiter



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