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Jesus Christus spricht: Ihr urteilt wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen.
(Joh. 8,15) |
Liebe Gemeinde!Monatsspruch August 2010
Ein würdevoller Umgang tut not.
"Der
ist immer ..." oder "Alle ... sind ..." – Schnell bin ich dabei, wenn
es darum geht, solche Sätze mit Inhalt zu füllen. Schnell sage ich
etwas, was den Andern ein für alle mal festlegt. Meist meine ich das
gar nicht abwertend oder böse.

Und doch: Jedes Mal fälle ich ein Urteil. Und damit lege ich den
Menschen fest. Meist entsteht dieses Urteil in einem Augenblick. Selten
mache ich mir ernsthafte Gedanken, bevor ich etwas sage oder denke. Und
manchmal gebe ich dieses Urteil weiter.
"Jesus Christus spricht: Ihr
urteilt, wie Menschen urteilen, ich urteile über keinen" (Joh. 8,15) –
Auf den ersten Blick spricht Jesus hier von ganz anderen Urteilen. Hier
sind ordentliche Urteile gemeint. Unmittelbar davor steht die Erzählung
von der Ehebrecherin. Und doch gibt es Parallelen zu unseren Urteilen.
In
der Gefängnisseelsorge habe ich immer wieder erlebt, dass auch ein
Gerichtsurteil das weitere Leben eines Menschen bestimmt. Nicht nur,
dass er für einige Zeit, für viele Jahre oder gar bis ins hohe Alter in
einem Gefängnis leben muss. Ein Verurteilter ist für den Rest seines
Lebens gezeichnet. Der Gedanke an die Zukunft "draußen" stellt viele
vor eine unlösbare Aufgabe. Manche Inhaftierte haben keinen oder kaum
noch Kontakt nach draußen, für die Familie existieren sie nicht mehr.
Ich
urteile über keinen, sagt Jesus. In der Nachfolge sind wir gefordert,
den vorurteilsfreien Schritt zu wagen, auch auf Inhaftierte zu. Dass
wir sie ernst nehmen, ohne Angst oder Scheu, das ist wichtig für sie.
Dass wir ihnen, trotz Urteils und Tat, ihre Würde lassen oder ihnen
wiedergeben, das ist wichtig. Das ist Leben im Sinne Jesu.
Jesus
sagt diesen Satz Menschen, die über eine Ehebrecherin richten wollen.
Sie haben die Steine für die Hinrichtung schon in der Hand. Jesus
stellt ihnen nur eine Bedingung: Wer von euch noch nie gesündigt hat,
soll
den ersten Stein auf sie werfen! Da lassen die Richter ihre Steine sinken und machen sich davon.
Auch
Jesus verurteilt die Frau nicht, sondern lässt sie gehen. Ihr wird das
Leben neu geschenkt. Jesus macht uns deutlich, dass uns das Richten
über Menschen nicht zusteht. Wer richtet, legt einen Menschen auf seine
Schuld fest. Daran hat Jesus kein Interesse. Er möchte, dass Menschen
eine zweite Chance bekommen und Vergebung erfahren.
Fangen wir in unserer Nähe an, den Menschen würdevoll zu begegnen:
Ich wünsche uns, dass dieser Satz uns alle begleitet:
- bei unseren Nachbarn und Kollegen. Fangen wir bei jedem Wort an, das wir über andere sagen.
- beim nächsten Gespräch wo die „neusten Neuigkeiten“ über andere ausgetauscht werden.
- beim Erinnern an die eigene Schuld: Jesus richtet nicht, sondern schenkt einen Neuanfang.
Urteile heften sich lange an unsere Fersen. Ein würdevoller Umgang tut uns ein Leben lang gut.
Michelangelo hat in seinem berühmten Gemälde vom Jüngsten Gericht Christus als einen zornigen

Kämpfer dargestellt, der mit erhobener Hand jeden niederschlägt, der
ihm zu nahe kommt. Der Monatsspruch korrigiert dieses Bild. Der Herr
des Jüngsten Gerichts tritt anders auf: nicht als der große Rächer,
sondern als der Retter für alle, die ihm vertrauen. Wer sich jeden Tag
neu Christus anvertraut und von seinem Erbarmen lebt, der braucht das
letzte Gericht nicht mehr zu fürchten. Das ist eine gute Nachricht, an
die wir heute erinnert werden: "Gott sandte
seinen Sohn nicht in unsere Welt, um uns Menschen zu verurteilen, sondern um uns zu retten."
Eine
afrikanische Christin, die im Sterben lag, wurde gefragt, ob sie sich
nicht vor dem Tod fürchte. Sie antwortete: "Wenn ich vor dem
Richterstuhl Gottes erscheinen muss, dann bitte ich den Heiland, dass
er mit mir kommt. Ich verstecke mich dann so hinter ihm, dass Gott nur
Jesus sehen kann, und wenn er mich etwas fragt, schweige ich
und warte, was Jesus für mich antworten wird."
Diese
Glaubensgewissheit wünsche ich mir für uns alle und ein immer besseres
Gelingen bei einem vorurteilsfreien Umgang miteinander.
Euer Pfr. Bernhard Fuß
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Kirchgemeinde Lauterbach im Erzgebirge | 
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